HUIS CLOS 50

Boeken van nu – terug naar de toekomst

Huis Clos, Boeken van nu – terug naar de toekomst, Ralf de Jong, Piet Gerards

Die Klappe der Broschur dient als Register und der Text beginnt auf der ersten Seite: Platz wird nicht verschenkt

Ich liege im Gras, schließe die Augen und spüre, wie mir eine kühle Brise über die Wange streicht. Die letzten Strahlen der späten Oktobersonne wärmen mein Gesicht und ich tagträume … nicht von Größe, Liebe und Schönheit, sondern von einem aufgeräumten Schreibtisch. Denn alles andere habe ich schon einmal gesehen, erlebt oder besessen.

Hier möchte ich über gestalterische Größe schreiben, worin sie liegt, wie sie erreicht werden kann und weshalb wir sie anstreben. Viri Berland, eine meiner literarischen Lieblingsfiguren [James Salter: Light Years. Random House: New York 1975], ist ein ambitionierter, mäßig erfolgreicher Architekt. Doch seine Fähigkeiten, sein Wissen verhelfen ihm nicht zur ersehnten Größe. »Life is contemptous of knowledge; it forces it to sit in the anterooms, to wait outside. Passion, energy, lies: these are what life admires.«

Energie, Eigenwille und Kraft

Gestalterische Größe finden wir auf der Suche nach Energie, nach Eigenwillen und Kraft. Der Starkult um besonders angesagte Gestalter lenkt nur ab von echter Größe. Denn diese ist nicht populär und blüht häufig im Verborgenen. Ihr Eigenwille und ihre Widerspenstigkeit zwingen sie in diese Nischen. Nachricht von ihr dringt nur als vages Gerücht oder leises Raunen an die Öffentlichkeit. Es ist eine besondere Ironie, dass gestalterische Größe sich in kleinen Räumen abspielt, vor einem erlesenen Publikum. Die öffentliche Anerkennung folgt (vielleicht) später. Sie ist dann wie das Echo auf ein Ereignis, das bereits der Vergangenheit angehört.

Worin manifestieren sich Kraft und Energie in der Gestaltung? Es sind einerseits Qualitäten, die in angewandten Projekten sichtbar werden. Andererseits (und vor allem?) offenbaren sie sich in den Wegen, auf denen gestalterische Ideen ohne Auftraggeber und ohne unmittelbares kommerzielles Interesse in die Welt gebracht werden. Große Gestalter erstaunen uns dadurch, wie sie ihren Kunden Ideen vermitteln, mit denen wir scheitern würden: Weil sie selbst ihre eigenen Kunden sind, weil sie selbst ihren Überfluss an Kraft und Energie in den Aufbau von Unternehmungen und Projekten stecken, die sie dann wiederum als Gestalter betreuen. Niklaus Troxler, Jost Hochuli und Piet Gerards haben eines gemein: Sie sind (auch) ihre eigenen Auftraggeber, denen sie ihre ambitioniertesten Gestaltungsprojekte verdanken. Und das sage ich voller Bewunderung für die Kraft und Energie, die diese Form von gestalterischer Größe erst ermöglichen.

Huis Clos, Boeken van nu – terug naar de toekomst, Piet Gerards, Ralf de Jong

Ein 4/1-farbig bedruckter Bogen: recto der Text und verso die Titelabbildungen

Huis Clos, Boeken van nu – terug naar de toekomst, Piet Gerards, Ralf de Jong

Während der Haupttext sich mit Stärken und Schwächen digitaler Bücher beschäftigt, werden in den Anmerkungen Bezüge zu den Huis-Clos-Titeln hergestellt

Raum für (gestalterische) Ideen und Experimente

Huis Clos ist der Verlag von Piet Gerards. Er führt ihn mit kundigen, fähigen, profilierten Freunden und Kollegen und doch ist er die Spinne im Zentrum des Netzes. Ich habe mich in diesem Netz verfangen, nach meinem Studium. Ich habe drei Bewerbungen verschickt – die beiden anderen deshalb, weil Bureau Piet Gerards (in Heerlen und Amsterdam) mit damals nur zwei fest angestellten Gestaltern keine freie Stelle hatte … Bureau Piet Gerards (heute Piet Gerards Ontwerpers) wurde, für zwei Jahre, meine Heimat und war eher eine Fortsetzung des Studiums in einem anderen Umfeld. Gerards hat uns in einem umfassenderen Sinne formen wollen, ist mit uns in Buchhandlungen, Konzerte und Ausstellungen gegangen; hat uns Bücher mitgegeben und Ideen eingepflanzt. Er hat seinen »Stil« (den er natürlich auch hatte) nicht aufgezwungen, sondern uns überzeugt, verführt und zu seinen Jüngern gemacht. Und ein wichtiger Teil dieser Indoktrination waren die Publikationen, Aktionen und Ausstellungen, die in der Galerie und im Verlag ihren Raum fanden, die dem Büro (in unterschiedlicher organisatorischer Nähe) zugeordnet waren.

Huis Clos hat mich zum Boten, zum Gestalter und zum literarischen Übersetzer gemacht [Gerard Reve: De das in het bos. Een sprookje zonder moraal. Huis Clos: Oude Tonge, 2003]. Ich habe die Größe gesehen, die in der Gestaltung von Gerards und in seiner unermüdlichen Energie liegt. Und natürlich hat mir beides Angst gemacht und ich musste meinen eigenen Weg suchen. Um so größer war meine Freude, als Autor um eine Würdigung der ersten 25 Publikationen des Verlags gebeten zu werden. [Ralf de Jong: 20 Jahre Huis Clos. Kurzer Gang durch eine virtuelle Ausstellung. Dt.-niederl. Ausg. Huis Clos: Oude Tonge, 2006]. Damals schrieb ich, dass die »Bedeutung des gestalterischen Werks von Piet Gerards durch zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen auf höchstem Niveau und durch die Rezeption in der Fachpresse dokumentiert« sei. Dieser Satz ist seitdem nur noch weiter bestätigt worden und dem lässt sich nichts hinzufügen. Auch stimmt nach wie vor, dass es sich um ein »sperriges Werk – den sperrigen Inhalten durchaus angemessen« handelt.

Für den »Nachfolger« [Ralf de Jong: Huis Clos 50. Ins Niederländische von Han Hos. Oude Tonge, 2015], Festschrift und dem Ausstellungskatalog zur 50. Publikation, habe ich deshalb einen anderen Weg gesucht. Ich habe die Publikationen in Relation zu den relativ neuen digitalen Publikationsformen untersucht, die mich in meiner Lehre an der Folkwang UdK seit einigen Jahren beschäftigen. Ich habe versucht, das Phänomen des kulturellen Verlages mit höchsten gestalterischen Ansprüchen für ein Liebhaberpublikum in diesem Kontext zu verstehen. In diesem größeren Zusammenhang des medialen Wandels hat die persönliche Motivation, die Suche nach gestalterischer Größe, keinen Raum gefunden. Gerards strebt, wie Viri Berland, Größe nicht um ihrer selbst willen an: »He wanted one thing, the possibility of one thing: to be famous. He wanted to be central to the human family, what else is there to long for, to hope?« Und bei beiden verbindet sich Größe (oder die Suche danach) nicht mit Selbstüberschätzung. »He was clear-eyed and exact about the value of other people’s work. Toward his own he maintained a mild respect.«

Huis Clos, Boeken van nu – terug naar de toekomst, Piet Gerards, Ralf de Jong, Universiteit van Amsterdam, Bijzondere Collecties

Die Ausstellung in der Universiteit van Amsterdam

Huis Clos, Boeken van nu – terug naar de toekomst, Piet Gerards, Ralf de Jong, Universiteit van Amsterdam, Bijzondere Collecties

Ein Blick in die Vitrinen

Bijzondere Collecties der Universiteit van Amsterdam

Präsentiert wurde das Buch im Rahmen einer Ausstellung in der Universiteit van Amsterdam (Bijzondere Collecties). In den Vitrinen fanden nur die prämierten Bücher Platz. Zur Eröffnung habe ich, moderiert von Ewan Lentjes, über den Zusammenhang von analogen und digitalen Publikationen gesprochen. Ein schöner Abend an einem schönen Ort für besondere Bücher mit vielen bekannten Gesichtern im Publikum.

»There is no complete life. There are only fragments. We are born to have nothing, to have it pour through our hands. And yet, this pouring, this flood of encounters, struggles, dreams … one must be unthinking, like a tortoise. One must be resolute, blind. For whatever we do, even whatever we do not do prevents prevents us from doing the opposite. Acts demolish their alternatives, that is the paradox. So that life is a matter of choices, each one final and of little consequence, like dropping stones into the sea.«
Ein Beitrag von Ralf de Jong
vom 29. Oktober 2015

Ewan Lentjes, Ralf de Jong, Bijzondere Collecties, Universiteit van Amsterdam, Huis Clos 50

Im Gespräch mit Ewan Lentjes

Gestaltung: Piet Gerards

Gestaltung: Piet Gerards

www.pietgerardsontwerpers. nl
www.uitgeverijhuisclos.nl