Was lange währt, wird endlich Buch

Ein Buch von Studierenden

So schaut der erste Band der »neuen Schriften« aus, frisch vom Drucker

So schaut der erste Band der »neuen Schriften« aus, frisch vom Drucker

In seinem Grußwort attestiert René Grohnert, der Leiter des Deutschen Plakat Museums im Museum Folkwang (Essen) diesem Buch, »schon jetzt ein Teil dokumentierter Plakatgeschichte« zu sein. »Unsere Bühne ist die Straße: Plakate fürs Theater von Studierenden der Folkwang Universität der Künste« – wurde zur Eröffnung der diesjährigen Abschlussausstellung »Finale« der Folkwang-Absolventen 2015 präsentiert.

Die ursprüngliche Projektgruppe hat ein Semester lang an Plakatentwürfen für Falladas »Ein Mann will nach oben« am Schauspielhaus Bochum gesessen – und dann (nachdem das Plakat realisiert war, eine Ausstellung in Bochum und eine im Museum Folkwang in Essen gehängt bzw. geklebt war) ganz sportlich die Einladung akzeptiert, die Eröffnungskampagne für die kommende Spielzeit zu realisieren. Dieses Buch – auch wieder als studentisches Projekt entstanden – dokumentiert die Ergebnisse und gibt Einblicke in ein exemplarisches Projekt aus dem Fachbereich Gestaltung der Folkwang UdK. Und jetzt wird es langsam fertig: Erst noch im Ausdruck zu sehen, zeigt der Standplott aus der Druckerei die (richtige) Verarbeitung der digitalen Daten im Software-RIP (im Detail sieht das alles ein wenig schwammig aus), während der Aushänger die gedruckten und behelfsmäßig geschnittenen Rohbögen aus der Druckerei vor der Weitergabe an den Buchbinder zeigt.

Unsere Bühne ist die Straße: Plakate fürs Theater, Ralf de Jong, Christin Heinze, Schauspielhaus Bochum

Der Ausdruck mit den letzten Änderungen geht so (zusammen mit den geschlossenen Daten) an die Druckerei

Unsere Bühne ist die Straße: Plakate fürs Theater, Ralf de Jong, Christin Heinze, Schauspielhaus Bochum

Von der Druckerei kommt der montierte Standplott zurück

Der Aushänger zur Bindefreigabe: das gedruckte Buch, manuell gefalzt und beschnitten. Und, natürlich, noch nicht gebunden

Der Aushänger zur Bindefreigabe: das gedruckte Buch, manuell gefalzt und beschnitten. Und, natürlich, noch nicht gebunden

Endlich, das fertig gebundene Buch

Endlich, das fertig gebundene Buch

Fertigprodukt oder doch erst halb fertig?

Zum Glück waren (wieder einmal!) alle Seiten da. Und ich weiß nicht, was mich glücklicher macht: die Weinlieferung des Weinguts Dr. Gänz (Nahe) für die Ausstellungseröffnung oder die Buchlieferung der Buchbinderei Lachenmaier. Aber vor der Präsentation des Buches wurden in der Buchbinderei der Folkwang UdK erst einmal in Handarbeit 100 Vorzugsexemplare veredelt. Thomas Kühnen hatte für diese besonders wertvollen Geschenke einen Schutzumschlag entworfen und im Handsiebdruck realisiert. Der musste geschnitten, gefalzt und Umgelegt werden. Und dann kam noch ein Siebdruck des Siegerplakats dazu und 20 weitere Farbabbildungen, die in Handarbeit ganz präzise (und hoffentlich haltbar …) eingeklebt werden mussten. Nach zwei Tagen war auch diese Arbeit erledigt. Und später werden wir auch diese Vorzugsausgabe hier noch präsentieren – und darüber nachdenken, ob das Buch als industrielles Produkt durch Handarbeit noch weiter veredelt wird. Denn früher, als man Text und Farbabbildungen noch nicht auf einem Papier drucken konnte, sahen fast alle Kunstbände so aus: Die Resultate waren haptisch und optisch noch vielschichtiger. Einfach antiquarisch alte Kunstbände (vor 1940) billig kaufen und selbst vergleichen! Wer ein Buch zusammenstellt und gestaltet, der erschafft sich eine eigene Welt. Dieses Erlebnis wollen wir unseren Studierenden regelmäßig ermöglichen. Und darum sind wir so gespannt auf Reaktionen: Gefällt das Buch dem Betrachter? Zieht »unsere« Welt auch andere Leser in ihren Bann? Natürlich ist es nicht so professionell; wir zeigen studentische Arbeiten, Studenten bestimmen über die Inhalte und texten selbst – ohne Lektorat und Korrektorat von außen. Dennoch glauben wir, dass es einen Eindruck vermittelt von unseren Leidenschaften und Fähigkeiten. Und jetzt warten wir auf eine digitale Edition, die die besonderen Möglichkeiten des digitalen Publizierens möglichst vollständig ausschöpft! Vielleicht finden sich ja wieder Studierende …?
Ein Beitrag von Ralf de Jong
vom 29. Oktober 2015


»Unsere Bühne ist die Strasse: Plakate fürs Theater von Studierenden der Folkwang UdK« erschien 2015 im Rahmen der jährlichen Publikationsreihe »neue Schriften« im Fachbereich Gestaltung der Folkwang Universität der Künste. Herausgegeben von Ralf de Jong und Christin Heinze. Für das Buchkonzept und den Entwurf zeichnen sich Lena Langer, Nora Prinz, Moritz Rosenkaimer, Ramona Südbrock und Franziska Struck verantwortlich.

Unsere Bühne ist die Straße: Plakate fürs Theater, Ralf de Jong, Christin Heinze, Schauspielhaus Bochum

Die Vorzugsausgabe mit einem Schutzumschlag von Thomas Kühnen, auf Affichenpapier im Siebdruck beidseitig bedruckt

Unsere Bühne ist die Straße: Plakate fürs Theater, Ralf de Jong, Christin Heinze, Schauspielhaus Bochum
Vorzug_06
Unsere Bühne ist die Straße: Plakate fürs Theater, Ralf de Jong, Christin Heinze, Schauspielhaus Bochum

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