Typology

Which typeface are you?

»Typology« ist ein Projekt von Mar Zumaya , welches im Verlauf des 2. Semesters an der Folkwang UdK entstanden ist

Warum fällt es mir schwer die Schriftart »Comic Sans« ernst zu nehmen? Warum nehmen viele Menschen serifenlose Schriften als »modern« wahr? Hat jede Schrift ihren ganz eigenen Charakter? Und welche Schrift würde mich als Person mit meinen Charaktereigenschaften repräsentieren? »Typology« ist eine Untersuchung der Anmutung und der kommunikativen Eigenschaften ausgewählter Schriftarten und versteht sich als empirischer Exkurs in die Psychologie der Typografie.

Eine gelungene typografische Gestaltung unterstützt die Vermittlung von Ideen und Konzepten. Es existieren zahlreiche Abhandlungen und wissenschaftliche Studien, die die Lesbarkeit, die formalen Unterschiede und die Klassifikation von Schriftarten thematisieren und untersuchen. Im Rahmen dieser Arbeit wird die Frage gestellt welche Informationen unterbewusst durch die Wahl einer bestimmten Schriftart transportiert werden. Welche Assoziationen werden beim Leser geweckt? Welche Charaktereigenschaften würde man einer bestimmten Schriftart zuschreiben? Um dem Nutzer meiner Website diese Überlegungen näher zu bringen, habe ich einen interaktiven Test erarbeitet, der die individuellen Persönlichkeitsmerkmale des Nutzers mit denen verschiedener Schriftarten abgleicht und auswertet.

Recherche

Die systematische Klassifikation von Schriftarten impliziert, dass jede Schriftart eindeutig zuordenbar ist. Neben bestimmten formalen Merkmalen, die eine Schrift für ein bestimmtes Einsatzgebiet tatsächlich geeigneter erscheinen lassen als eine andere, zählt aber auch die visuelle Anmutung oder Wirkung auf den Betrachter bzw. Leser. Dieser subjektive Eindruck kann variieren und steht immer in Bezug zu der persönlichen Historie des Betrachters. Basierend auf Erfahrungswerten und subjektiven Eindrücken werden unterschiedliche Emotionen bzw. »sematische Assoziationen« beim Betrachter ausgelöst. Innerhalb meiner Recherche habe ich die vielfältigen Konnotationen im Zusammenhang mit ausgewählten Schriftarten zusammengetragen und mittels einer Mindmap visualisiert.

Informationsrezeption

In der zweiten Phase des Projektes habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, um möglichst vielen Personen die Ergebnisse meiner Untersuchungen nahe zu bringen. Ich entschied mich zur Online-Publikation in Form einer Website. Als Einstieg in die Website und das Projekt dient ein Quiz. Der Benutzer beantwortet mehrere Fragen, die auf bestimmte Charaktereigenschaften schließen lassen. Die resultierenden Persönlichkeitsprofile habe ich den assoziativen Merkmalen ausgewählter Schriftarten zugeordnet. So kann das Ergebnis des Testes beispielsweise lauten: »Du bist Didot! Eine elegante, klassische Erscheinung.« Der Benutzer setzt sich so, ganz unabhängig von seinen Vorkenntnissen, mit der Wirkung von Schrift auseinander.

Das Quiz soll dem Nutzer die Ergebnisse meiner Untersuchungen spielerisch zugänglich machen, indem er durch einen kurzen und unterhaltsamen Fragenkatalog geführt wird, ohne dass er sein Ergebnis vorhersehen kann. Hinter der Benutzeroberfläche befindet sich eine Struktur von vorgegebenen Antworten, die jeweils zu einer Kategorie gehören und deren zugeordnete Punkte zusammengerechnet werden. Die Kategorie mit der höchsten Punktzahl ergibt die zum Nutzer passende Schrift. Ihm wird dadurch ein Gefühl von einer personalisierten Erfahrung vermittelt und er lernt spielerisch die Zusammenhänge zwischen persönlichen Charaktereigenschaften und typografischen Eigenheiten kennen.

Die Recherche ist unter typologie.info/research aufrufbar.

Proof of concept

Zur Intensivierung des Erlebnisses habe ich ein Ausstellungskonzept erarbeitet, welches die digitale Ebene der Website mit dem »realen« Ausstellungsraum verbindet. Im Fokus steht das Gesamterlebnis als Komposition aus sinnlicher Wahrnehmung und emotionaler Empfindung vor Ort. Während der Ausstellung hatte der Benutzer die Möglichkeit am Quiz teilzunehmen, mehr über das Projekt zu erfahren, Fragen zu stellen, Feedback zu geben oder sich mit anderen Besuchern auszutauschen.

Das Projekt wurde am 28. Oktober bei der Folkwang *inside präsentiert.

Ausstesten mit verschiedenen Nutzern.

Updating

Nach dem »Austesten« mit diversen Nutzern war es wichtig, die unterschiedlichen Meinungen und Anmerkungen zu dokumentieren, um in einem nächsten Schritt das Konzept weiterhin zu verbessern. Bei der Auswertung des Feedbacks wurde ersichtlich, dass verhältnismäßig wenige Benutzer der Webseite die Recherche-Unterseite öffneten und sich den Text durchlasen. Daher ist die Idee entstanden, die Informationen der Recherche und eigene Erkenntnisse in einem elektronischen Magazine zusammenzustellen und grafisch aufzubereiten. Hierzu eignete es sich ein eMagazine für alle Plattformen und Geräten zu entwickeln und dieses kostenlos auf der Webseite anzubieten.

Die Recherche wird in naher Zukunft als eMagazine veröffentlicht.

Die Recherche wird in naher Zukunft als eMagazine veröffentlicht.

Seit dem 20.Oktober 2016 ist die Webseite unter typology.info aufrufbar. Das eZine wird in naher Zukunft auf der Webseite zum Download angeboten.

Ein Beitrag von Mar Zumaya
vom 25. März 2017

Mar Zumaya studiert derzeit Kommunikationsdesign an der Folkwang Universität der Künste. »Typology« ist im Verlauf ihres 2. Semesters entstanden und wurde von Christin Heinze und Claudius Lazzeroni betreut. 

typology.info